Duftnews

Edel-, Weiß- & Balsamtanne

… was sind die Unterschiede?

Ein Weihnachtsfest ohne Tanne ist im Alpenraum kaum vorstellbar. Die verschiedenen Tannenarten unterscheiden sich nicht nur in ihrem optischen Erscheinungsbild, sondern auch im Duft. Aus Edeltannen-, Weißtannen- und Balsamtannen-Zweigen werden ätherische Öle destilliert, die sich in ihrer biochemischen Zusammensetzung und daher auch in ihren Eigenschaften unterscheiden. In diesem Artikel von Mag.a Ingrid Karner erfahren Sie, wie welche Tannenöle wirken und warum Edel- und Weißtannenöl eher morgens und Balsamtannenöl lieber abends eingesetzt werden sollten.

Wie die Tannen verwendet werden

In den heimischen Nadelwäldern finden wir vor allem Fichten, Tannen und Kiefern. Botanisch gesehen gehört die Tanne (Abies) mit ihrer kegelförmigen Wuchsform zur Pflanzenfamilie der Kieferngewächse (Pinaceae) in der Ordnung der Koniferen (Coniferales, Pinales). Einige Arten können ein Alter von bis zu 600 Jahren erreichen und somit doppelt so alt wie Fichten oder Buchen werden. Weltweit gibt es etwa 46 verschiedene Tannenarten.

Pharmazeutisch verwendbare Bestandteile der Tannen sind die Tannenzweigspitzen (Sprossenöl), die Zapfen (Oleum Templini), Harzblasen (Straßburger Terpentin) und das ätherische Öl, das aus den gehäckselten Zweigen destilliert wird. Tannenprodukte werden zur äußeren Anwendung als Einreibemittel (z.B. „Franzbranntwein“), Badzusätze, Erkältungsbalsame, zur inneren Anwendung als Inhalate, Tees (Dekokt, Infus), Lösungen aber auch für kosmetische Zwecke (z.B. Bade- und Seifenzusätze, Deodorants) verwendet. Anwendungsgebiete der Drogen aus Tannen sind beispielsweise Katarrhe der oberen Luftwege, Rheumatismus, neuralgische Schmerzen und Muskelverspannungen.

Wirkstoffe in Tannenölen

In den folgenden Übersichten sehen Sie die Wirkstoffzusammensetzung der verschiedenen ätherischen Tannenöle (lt. Analysezertifikaten von der Feeling GmbH):

Alpha-Pinen verleiht ätherischen Ölen den typischen Nadel-Duft. Er wirkt stark entzündungshemmend und antitumoral. Vorsicht: wenn ein ätherisches Öl mit einem hohen Anteil an alpha-Pinen falsch gelagert oder alt ist, wirkt es hautreizend!

Beta-Pinen hat eine pilzhemmende und leicht antitumorale Wirkung. Es ist praktisch nicht reizend oder sensibilisierend 

Camphen kann oxidativen Stress und den Fettstoffwechsel regulieren und wird u.a. bei Muskelatrophie empfohlen. Außerdem ist es ein vielversprechender Wirkstoffkandidat gegen kritische Pathogene wie z.B. Staphylokokkus aures, Enterococcus ssp.

Limonen: In Nadelölen kommt hauptsächlich (-)-Limonen vor. Dieses weist eine stark antimikrobielle Aktivität auf 

Delta-3-Caren hat eine schlaffördernde Wirkung. Vorsicht: wenn ein ätherisches Öl mit einem hohen Anteil an delta-3-Caren falsch gelagert oder alt ist, wirkt es hautreizend!

Beta-Caryophyllen kann die Wundheilung verbessern  und wirkt entzündungshemmend. Dieser Wirkstoff kommt in fast allen ätherischen Ölen vor  und ist eines der häufigsten und in größeren Mengen vorhandenen Terpen in Cannabis.

Bornylacetat und zeigt aufgrund der entzündungshemmenden Wirkung gute Erfolge bei rheumatischen Erkrankungen und kann bei Arteriosklerose eingesetzt werden. Außerdem wirkt es auch in geringer Dosierung entspannend

Der Tannenöl-Vergleich

 

Edeltanne

Weißtanne

Balsamtanne

Bot. Name

Abies procera (nobilis)

Abies alba

Abies balsamea

Duftbeschreibung

waldig-herb

waldig-frisch

waldig-süß

entzündungshemmend

Stark

Stark

mäßig

pilzhemmend

mäßig

kaum

stark

antitumoral

stark

mäßig

stark

antimikrobiell

stark

stark

wenig

schlaffördernd

nein

nein

ja

wundheilend

mäßig

wenig

nein

Haltbarkeit

ab dem Öffnen 1 Jahr

ab dem Öffnen 1 Jahr

ab dem Öffnen 1 Jahr

Conclusio: Edeltannen- und Weißtannenöl unterscheiden sich zwar im Duft und in der Wirkstoffzusammensetzung, aber die Gesamtwirkung des Inhaltsstoffmix‘ ist sehr ähnlich: beide wirken aktivierend, entzündungshemmend und antimikrobiell. Ätherisches Balsamtannenöl hingegen hat stärker pilzhemmende Bestandteile und ist im Gegensatz zu den anderen beiden Ölen beruhigend sowie schlaffördernd.

Mag.a Ingrid Karner, MSc MEd

Bildungstipps

eLearning-Kurs | Die Biochemie der ätherischen Öle**

In unserem eLearning-Kurs „Die Biochemie der ätherischen Öle“ lernen Sie die Wirkstoffe ätherischer Öle genauer kennen. Ein Studienset mit Riechfläschchen hilft Ihnen dabei, Wirkstoffe herauszuriechen und zu beurteilen. Am Ende des Kurses können Sie anhand des Duftes eines Öls erkennen wie dieses wirkt und welche Vorsichtsgebote zu beachten sind.

aromainfo-Datenbank | Lexikon für ätherische Öle**

In der www.aromainfo-datenbank.com können Sie u.a. nach Inhaltsstoffen, aber auch nach Wirkungen oder Duftebenen filtern. Sie können über 100 ätherische Öle miteinander vergleichen und finden das passende Öl für verschiedenste psychische sowie physische Indikationen.

Anwendungsideen

Für die Auswahl und das Mischverhältnis verwenden wir sehr gerne das so genannte FruFloRa-Prinzip. Damit lassen sich angenehm und ausgewogen duftende und ganzheitlich wirksame Kompositionen erstellen, die außerdem harmonisch duften. Die nachstehenden Rezepturen sind für Erwachsene konzipiert. Bei Kindern nehmen Sie bitte die halbe Dosierung.

Raumlufterfrischung „Weihnachtsgeschichten“
2 Tr. Orangeöl süß*
1 Tr. Kardamomöl*
1 Tr. Weißtannen*– oder Edeltannenöl*
1 Tr. Gewürznelkenöl*
1 Tr. Zimtrindenöl*
in den Diffuser oder in die Duftlampe* geben

Hautpflegeöl bei Fußpilz
6 Tr. Litsea Cubebaöl*
3 Tr. Palmarosaöl* oder Teebaumöl*
3 Tr. Weißtannen*– oder Edeltannenöl*
mit 10ml Neembaumöl* und 10ml Jojoba* mischen und 2x täglich die Füße bis über die Knöchel („Aromasocken“) einschmieren.

Muskeltonic
10 Tr. Wacholderbeerenöl*
5 Tr. Schwazer-Pfeffer-Öl*
5 Tr. Rosmarinöl ct. Cineol*
15 Tr. Weißtannen*– oder Edeltannenöl*
mit 10ml Weingeist in einer 50ml Braunglasflasche mit Sprühaufsatz mischen und mit 40ml Rosmarinhydrolat* auffüllen. Vor Gebrauch gut schütteln.

LITERATURQUELLEN

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